Ausbau der Kreisstraße K3520 Mühlhausen-Östringen

Am letzten Freitag wurde die ausgebaute Kreisstraße K3520 zwischen Mühlhausen und Östringen für den Verkehr freigegeben. Aus diesem Anlass möchten wir einen Blick in die Zukunft wagen, den wir bereits in der Gemeinderundschau 17/2016 und 7/2019 beschrieben haben (siehe auch hier).

Der Ausbau der Kreisstraße und die Errichtung des Verkehrskreisels am Ortseingang Östringen sowie das Kostenargument schaffen nun vollendete Tatsachen, die den Bau der geplanten Östringer Ortsumfahrung auf der nördlichen Seite, also auf der Seite von Mühlhausen und Rettigheim, sehr wahrscheinlich machen.

Ortsumgehung B292 in Östringen und Querspange K3920 führen großenteils durch FFH-Gebiet

Diese aus unserer Sicht verfehlte Verkehrsplanung verkaufen die politisch Verantwortlichen als großen Gewinn für Mühlhausen und Rettigheim. Sie argumentieren, dass die Ortsdurchfahrt in Rettigheim dann endlich zu einer Gemeindestraße mit Tempo 30 herabgestuft werden kann. Tatsache ist aber, dass der Rhein-Neckar-Kreis unter Landrat Dallinger die Verkehrsberuhigung in Rettigheim auch ohne die Herabstufung hätte erlassen können, diese jedoch seit Jahren verhinderte.

Das angebliche Entgegenkommen des Landrats wird sich aber für Mühlhausen als Bumerang erweisen. Denn der gesamte Verkehr der Bundesstraße B292 bei Östringen wird auf die B39 in Richtung Mühlhausen geleitet. Auf die ohnehin hochbelastete B39 bei Mühlhausen wird somit zusätzlicher Individual- und Schwerlastverkehr aus Kronau, Östringen, Sinsheim und von den Autobahnen A5 und A6 zukommen. Spätestens wenn die Östringer Ortsumfahrung fertiggestellt und über die Querspange an die B39 bei Mühlhausen angeschlossen wird, wird die Verkehrsdichte so stark ansteigen, dass die Anschlussstelle vor Mühlhausen zu einem Kleeblatt ausgebaut werden muss. Weiterer Wald muss dafür gerodet werden und weiter steigende Lärm- und Abgasbelastungen werden auf Mühlhausen zukommen.

Nicht nur die Umwelt, sondern auch die Lebensqualität in unserem ländlichen Raum fällt somit nach und nach einer zügellosen Verkehrspolitik zum Opfer. Innerhalb einer vergleichsweise kurzen Zeit von 15 – 20 Jahren werden dann zwei große Ortsumgehungen (B39 und B292) und eine Bundesstraßenquerspange (K3520) erhebliche Teile eines der letzten großen zusammenhängenden Waldgebiete im Kraichgau zerstört haben. Dieses besonders schöne Waldgebiet ist von außerordentlicher Bedeutung für die Naherholung der umliegenden Gemeinden. Große Teile der von der Zerstörung betroffenen Gebiete befinden sich zudem in sensiblen und ökologisch wertvollen FFH-Schutzgebieten.

Dennoch halten die politisch Verantwortlichen an den überholten Verkehrskonzepten fest. Eine tragfähige und umweltschonende Verkehrspolitik sieht anders aus. Denn die Erfahrung der letzten Jahrzehnte zeigt: Jede neue oder ausgebaute Straße zieht weiteren Verkehr an und trägt zum stetigen Anstieg des motorisierten Individual- und Güterverkehrs auf der Straße bei. Straßenbau ist somit nicht die Lösung, sondern Teil des Problems.

Bedauerlicherweise hatten die Planungsfehler schon sehr früh ihren Lauf genommen. Als die B39-Ortsumfahrung Mühlhausens geplant wurde, hatte im Planfeststellungsverfahren der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) einen Alternativvorschlag eingereicht, der die jetzt ausgebaute Kreisstraße K3520 in eine Gesamtlösung für die drei Kommunen Mühlhausen, Östringen und Angelbachtal bereits damals einbezogen hätte, um den zweiten Bauabschnitt der Mühlhäuser Ortsumfahrung von der Ausfahrt Süd bis zur Ausfahrt Ost überflüssig zu machen. Der Verkehr der B39 wäre in diesem Alternativszenario von Mühlhausen nach Östringen auf die Bundesstraße B292 geführt worden. Ziel des BUND-Vorschlages war es, mit minimalem Flächenverbrauch die Verkehrsprobleme der Region zu lösen.

Leider wurde seinerzeit auf eine rein lokale Mühlhausener Lösung gesetzt, die den zusätzlichen zweiten Bauabschnitt der B39 erforderte. Jetzt wird einige Jahre später auch noch die Kreisstraße K3520 ausgebaut, mit der Perspektive, den Östringer Verkehr anzuziehen, statt zum Beispiel auf Verkehrslenkungsmaßnahmen und innerörtliche Verkehrsberuhigung zu setzen. So frisst sich der Mensch immer weiter in die Landschaft und wird auch vor schützenswertem Wald im Norden Östringens keinen Halt machen.

Trotz der sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels mit massiven Trockenschäden in unserem Wald schreitet die Bodenversiegelung in Deutschland durch kurzsichtige Politik immer weiter voran. Mühlhausen, Östringen und die Landkreise Rhein-Neckar und Karlsruhe leisten im Gefolge der Bundespolitik hier ihre verheerenden Beiträge. Die Ansiedlung von Logistikfirmen in Östringen abseits der Schiene verdeutlicht diese Politik. Neben der Energiewende benötigen wir endlich auch eine Verkehrswende, in der Bus, Bahn und Fahrrad mehr und mehr den motorisierten Individualverkehr ersetzen.

 

 


Immerhin wurde der Radweg entlang der Kreisstraße, der bisher bei der Waldkappelle endete, im Zuge des Ausbaus der Kreisstraße bis Östringen durchgezogen. Dies ist eine wichtige Maßnahme für mehr Verkehrssicherheit.

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