Gemeinderat treibt Energiewende durch echten Ökostrombezug voran

Teilnahme Bündelausschreibung Strom/Erdgas für die Jahre 2022-2024

Ab dem Jahr 2022 wird die Gemeinde Mühlhausen 100% echten Ökostrom beziehen und dadurch den Neubau von regenerativen Stromerzeugungsanlagen wie Photovoltaik- und Windkraftanlagen fördern. Ausgangspunkt für die Entscheidung war Tagesordnungspunkt 6 der letzten Gemeinderatssitzung am 10. Dezember zur Teilnahme der Gemeinde an der Bündelausschreibung Strom/Erdgas für die Jahre 2022-2024. Die Gemeinde Mühlhausen bezog bis 2018 Strom von der EnBW und Gas von der Erdgas Südwest. Im Jahr 2019 nahm die Gemeinde erstmalig an einer Bündelausschreibung für den Strom- und Erdgasbezug, die von der GT (Gemeindetag) Service GmbH durchgeführt wurde, teil.

Zum 1.1.2022 steht die nächste Bündelausschreibung an. Der Vorteil liegt auf der Hand: Durch die Bündelausschreibung können günstigere Einkaufspreise erzielt werden. Außerdem wird die Gemeindeverwaltung entlastet, da die Ausschreibung von einem externen Dienstleister durchgeführt wird. Für die Gemeinde Mühlhausen fallen bei der nächsten Bündelausschreibung Kosten von 2700 Euro für die Dienstleistung an. Zur Verwaltungsvereinfachung beschloss der Gemeinderat eine Dauerbeauftragung der GT Service GmbH, die jeweils 13 Monate vor Ablauf der dreijährigen Vertragslaufzeit einer Bündelausschreibung gekündigt werden kann.

Der Gemeinderat konnte bei der Beauftragung der GT Service GmbH zwischen Strom ohne Herkunftsnachweis und 100% Ökostrom mit unterschiedlich hohen Neuanlagenquoten auswählen.

In der Sitzung stimmte der Gemeinderat für die qualitativ hochwertigste Option, nämlich Strom aus 100% regenerativer Energien mit mindestens 34 % Neuanlagenquote, wobei die vom Bieter angebotene Neuanlagenquote (34 – 100%) in die Wertung der Ausschreibung eingeht.

In seiner Stellungnahme für die Fraktion Bündnis90/Die Grünen begründete Gemeinderat Gerhard Welker, warum die Neuanlagenquote ein sehr wichtiges Ausschreibungskriterium ist:

Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Es gibt Ökostromtarife, deren Erlös anteilig in den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien fließt. Dieser Ausbau wird durch die Neuanlagenquote ausgedrückt. Je größer die Neuanlagenquote, umso mehr regenerative Stromerzeugungsanlagen werden aus den Erlösen gebaut und umso mehr wird die Energiewende vorangetrieben.

Neben diesen „echten“ Ökostromtarifen, die durch Ökostrom-Gütesiegel wie dem „Grüner-Strom-Label“ oder das „ok-power-Label“ zertifiziert sind, gibt es am Strommarkt eine Vielzahl an Mogelpackungen:

Beispiel 1: Ein Stromlieferant betreibt seit vielen Jahrzehnten ein Laufwasserkraftwerk und vermarktet den daraus erzeugten regenerativen Strom zu einem höheren Ökostromtarif. Wenn der Stromlieferant die höheren Erlöse nicht in Neuanlagen zur regenerativen Stromerzeugung investiert, bringt der höhere Ökostrompreis die Energiewende nicht voran.

Beispiel 2: Europaweit gibt es durch viele alte Wasserkraftwerke in Skandinavien und in den Alpenländern ausreichend Herkunftsnachweise für Ökostrom, die Energieversorger hierzulande sehr günstig erwerben können, um Strom aus fossilen Energieträgern mit hinzugekauften Herkunftsnachweisen umzulabeln. Für Energieversorgungsunternehmen ist dies deutlich billiger, als neue regenerative Stromerzeugungsanlagen zu errichten und selbst echten Ökostrom zu produzieren.

Beispiel 3: Überschussstrom aus Kohle- oder Atomkraftwerken wird in Pumpspeicherkraftwerken gespeichert und später als Strom aus Wasserkraft vermarktet.

Die Gemeinde Mühlhausen hat mit der Entscheidung zum Bezug von 100% Ökostrom mit einer möglichst hohen Neuanlagenquote einen großen Hebel, die Energiewende voranzubringen. Wir sind stolz darauf, dass mittlerweile 3 Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung von insgesamt 245 kWp auf gemeindeeigenen Dächern rund 245.000 kWh echten Ökostrom pro Jahr produzieren. Bereits bei der vom Gemeinderat geforderten minimalen Neuanlagenquote von 34 % wird der Strommarkt gezwungen werden, neue Anlagen zu bauen, die ungefähr so viel Ökostrom erzeugen wie die Photovoltaikanlagen auf dem Bauhof, Kinderhaus Arche und Dorfladen Tairnbach zusammen. Dies ist ein schöner Beitrag zur Energiewende und spornt hoffentlich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger an, selbst auch echten Ökostrom einzukaufen und in erneuerbare Energien z. B. durch die Errichtung einer Photovoltaikanlage zu investieren.

Zum Abschluss sei hier noch erwähnt, dass die Bündelausschreibung für den Erdgasbezug der Gemeinde einen Anteil von 10 % Bioerdgas vorsieht.

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