Naturwald–Antrag der Grünen im Gemeinderat beschlossen

Die Grünen Gemeinderäte stellten in der Gemeinderatssitzung am 19. Februar den Antrag, einen Teil der kommunalen Waldflächen in Naturwald umzuwandeln. Außerdem wurde dem Gemeinderat ein Beschlussvorschlag zur Erweiterung der bestehenden Waldflächen als strategisches Ziel vorgelegt. Sowohl dem Antrag zur Umwandlung in Naturwald als auch der Walderweiterung stimmte der Gemeinderat einstimmig zu.

Das ist ein großer Fortschritt für den Wald- und Klimaschutz in Mühlhausen, denn unbewirtschaftete Wälder leisten im Vergleich zu Wirtschaftswäldern einen größeren Beitrag zur langfristigen Kohlenstoffspeicherung. Insbesondere in den Bäumen selbst und im Mineralboden werden große Mengen an Kohlenstoff gebunden (Quelle: www.nabu.de/natur-und-landschaft/waelder/aktivitaeten/22218.html).

Konkret ging es in unserem Antrag darum, der von der Bundesregierung im November 2007 verabschiedeten nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt zu folgen, die besagt, fünf Prozent der gesamten Waldfläche in Naturwald zu überführen, der dauerhaft seiner natürlichen Entwicklung überlassen und aus der forstlichen Nutzung genommen wird. Da sich rund die Hälfte des deutschen Waldes im Privatbesitz befindet, müssten etwa zehn Prozent der öffentlichen Wälder in Naturwald umgewandelt werden, um das Fünf-Prozent-Ziel der Bundesregierung zu erreichen.

Bereits in der Gemeinderatssitzung im November 2019 legten die Grünen daher den Antrag vor, bis zum Ende des Jahres 2020 zuerst einmal sieben Prozent des kommunalen Waldes in Naturwald zu überführen. Schon in dieser Sitzung kam es zu kontroversen Debatten, und auch in der Gemeinderundschau hatte unser Antrag teilweise für scharfe Diskussionen gesorgt.

Zwischenzeitlich konnten wir mit der Unterstützung durch Forstrevierleiter Niederer das Konzept erarbeiten und die für die Umwandlung infrage kommenden kommunalen Waldflächen identifizieren. Die folgenden Waldflächen wurden für die Umwandlung in Naturwald benannt:

  • Sternwald a3/18 zwischen Fahrradweg und Fahrweg (» 1 ha)
  • Klingenwald a17 (» 1 ha)
  • Altholz entlang Grenzgraben, Krötenbach I/8 (» 2 ha)
  • Distrikt II, oberes Bruch (» 4 ha)
  • Buschwald (» 1,6 ha)
  • Teilbereich im Nordwesten der Abteilung 1,11 a12, südlich der B39 (» 1,8 ha)
  • durch die Forstverwaltung ausgewählte Einzelbäume (» 2,5–5 ha)

In einer internen Besprechung, zu der Bürgermeister Jens Spanberger Vertreter aller Fraktionen und die beiden Forstfachleute Philipp Schweigler und Bernd Niederer einlud, wurde dieses Konzept dann vorgestellt. In dieser Besprechung brachte Forstbezirksleiter Philipp Schweigler auch die Idee ein, über Erweiterungen bestehender Waldflächen nachzudenken. Gemeinderat Bernhard Drabant begrüßte diesen Vorschlag und schlug vor, daraus auch gleich einen Beschlussvorschlag zu formulieren.

Der Bürgermeister setzte diesen Beschlussvorschlag und unseren Naturwald-Antrag auf die Tagesordnung der letzten Gemeinderatssitzung. Zusätzlich brachte die CDU-Fraktion eine Erweiterung unseres Antrags ein, mit der Stadt Östringen Gespräche zu führen, auf ihrer Gemarkung Waldgebiete in Naturwald umzuwandeln, die an die entsprechenden Mühlhausener Naturwaldgebiete angrenzen. Der Gemeinderat stimmte dann in der letzten Gemeinderatssitzung unserem Antrag zur Naturwald-Umwandlung und dem Beschlussvorschlag zur Erweiterung der Waldflächen sowie dem Ergänzungsantrag zu Verhandlungen mit der Stadt Östringen zu.

Die Grünen verzichteten in der Debatte auf die ursprünglich geforderten sieben Prozent Naturwaldfläche im kommunalen Wald, um in einem ersten Schritt eine fraktionsübergreifende Mehrheit für ihren Antrag zu erzielen. Letztendlich wurden somit etwa sechs Prozent des kommunalen Waldes zu Naturwald erklärt, was einem Anteil von gerade einmal vier Prozent im gesamten Mühlhausener Wald entspricht. Außerdem sind die jetzt ausgewiesenen Naturwaldflächen unzusammenhängende Flurstücke. Neben der reinen Fläche des Naturwaldes ist aber auch dessen Vernetzung von entscheidender Bedeutung für die Waldökologie und das Klima. Trotz unseres erzielten Erfolges sehen wir daher noch Bedarf für zukünftige Nachbesserungen.

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