Öffentliche Waldbegehung am 27.09.2019

Am 27. September führten Forstrevierleiter Bernd Niederer und Forstbezirksleiter Philipp Schweigler auf Einladung von Bürgermeister Jens Spanberger eine öffentliche Waldbegehung durch. Sehr erfreulich war das große Interesse der Bürgerinnen und Bürger, die trotz Regens zahlreich gekommen waren.

Nicht erfreulich war hingegen das Thema der Waldbegehung: Die Trockenschäden in Folge des trockenen Sommers 2018 schockieren selbst Forstexperten, denn auch die als robust geltende Buche zeigt in diesem Jahr massive Schäden. Laut Lehrmeinung gilt die Buche als eine Baumart, die optimal an unsere klimatischen Bedingungen angepasst ist. Ohne Einfluss des Menschen würden Buchenwälder in Mitteleuropa landschaftsprägend sein und rund zwei Drittel der Landfläche Deutschlands bedecken. Die großen Fichtenplantagen in einigen Regionen Deutschlands existieren nur, weil sie von Menschen aufgrund wirtschaftlicher Gründe angelegt wurden. Förster Niederer betonte, dass die Fichte aufgrund des Klimawandels bei uns keine Chance mehr haben wird. Deshalb setzt unser Forstrevier im Hinblick auf den Klimawandel seit langem auf Laubmischwald mit hohem Buchen- und Eichenanteil. So beträgt der Baumartenanteil der Rotbuche in Mühlhausen 27%, der Anteil der Eiche sogar 39%. Hinzu kommen noch 5% Roteichen.
Abbildung 1 zeigt eine Auflistung der Baumartenanteile in Mühlhausen in Prozent, die Schweigler während der Waldbegehung präsentierte. Rot eingefärbt in der Auflistung sind die stark gefährdeten Baumarten Fichte, Lerche und Esche. Glücklicherweise beträgt der Fichtenanteil in Mühlhausen nur 2%. Aber selbst die aus Nordamerika importierte Douglasie, die als widerstandsfähige Alternative zur Fichte angesehen wird, zeigt Trockenschäden und ist in der Liste neben Rotbuche und Bergahorn gelb eingefärbt. Einzig die grün eingefärbten Baumarten wie zum Beispiel Eiche, Roteiche, Hainbuche gelten momentan noch als widerstandsfähig.
Um die Dramatik der Trockenschäden anschaulich zu verdeutlichen, führten Niederer und Schweigler die Teilnehmer ca. 200m vom Waldparkstadion auf dem Radweg in Richtung Östringen und öffneten links den Zaun zum Holzabfuhrweg.
Abbildung 2 zeigt eine Aufnahme des betroffenen Waldstücks aus der Vogelperspektive. An dieser Stelle sieht man die Trockenschäden überdeutlich: Die Buchen sind bereits vertrocknet. Verstärkt durch den Straßenbau, in Folge dessen die Bäume mit höherer Lichteinstrahlung und gestörtem Grundwasserniveau zu kämpfen haben, sind die Buchen bereits abgestorben. Aber auch an anderen Stellen im Wald, die nicht vom Straßenbau betroffen sind, zeigen die Bäume Trockenschäden. Warum treten die Trockenschäden plötzlich so massiv auf? Dazu präsentierte Schweigler die in Abbildung 3 aufgelisteten Wetterdaten:
Im Durchschnitt der Jahre 2013 – 2017 betrug der Jahresniederschlag bei uns 807 mm. Im vergangenen Jahr waren es nur 644 mm Niederschlag und in diesem Jahr bisher nur 449 mm. Noch drastischer zeigt der Vergleich, dass im Jahr 2018 lediglich 288 mm Niederschlag während der Vegetationszeigt fielen, während der langjährige Durchschnitt bei 411 mm liegt. Mit 30 Tagen über 30 Grad Celsius hatten wir letztes Jahr doppelt so viele Hitzetage wie normal.

Nun setzen die Experten die Hoffnung auf die Eiche. Förster Niederer zeigte ca. 200 Jahre alten Eichen in der Nähe der Rotschlaghütte und erläuterte, wie der Forst vor einigen Jahren an dieser Stelle gezielt Licht geschaffen hat, damit sich die stehen gelassenen Eichen natürlich vermehren können, was bereits gut gelungen ist. Und noch eine gute Nachricht: Niederer verriet, dass er und wahrscheinlich auch sein Nachfolger diese alten Eichen während ihres Berufslebens nicht fällen werden. Es wäre schön, wenn wenn einmal zukünftige Generationen auch in Mühlhausen Bäume aufgrund ihres hohen Alters als Naturdenkmal auszeichnen können.

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