Seniorenpflegewohnheim „Kraichgau Seniorenresidenz Mühlhausen“

Das neue Seniorenpflegewohnheim am Ortseingang von Mühlhausen ist nahezu fertiggestellt und wird Ende des Jahres in Betrieb genommen.
In der letzten Gemeinderatssitzung stellten der Bauträger, die Firma Aktiv Wohnbau GmbH, den aktuellen Sachstand der Baumaßnahme und der zukünftige Pflegedienst Vitalis Care GmbH die Pflegekonzeption für das Seniorenpflegewohnheim vor.
Die Zuhörer konnten während der Ausführungen des Vitalis Geschäftsführers Martin Hiller sowie der Einrichtungsleiterin Juliane Hadek-Binz spüren, dass der Pflegedienstleister den pflegebedürftigen Menschen in den Mittelpunkt stellen will, ganz nach dem Motto von Vitalis Mühlhausen „Hier bin ich daheim“. Beispielsweise sollen laut dem Betreuungsansatz für Menschen mit dementiellen Erkrankungen neue moderne Wege beschritten werden. Konkret ist geplant, Demenzkranke mit einem Armband auszustatten, das beim Verlassen des Gebäudes Alarm schlägt, so dass sich Demenzkranke mit Hilfe dieser Technologie frei auf dem Gelände bewegen können.
Gemeinderat Gerhard Welker dankte im Namen der Grünen Fraktion den Referenten für deren informative Vorträge und fragte die Referenten, wie die haus- und zahnärztliche Versorgung organisiert wird, da schon heute Mühlhausens Hausärzte weitestgehend ausgebucht sind. Die Referenten verwiesen auf die freie Arztwahl der Patienten. Außerdem gehe man davon aus, dass die meisten Bewohner aus Mühlhausen kommend ihren Hausarzt mitbringen werden. Stellt sich die Frage, wer die pflegebedürftigen Menschen ärztlich versorgen kann, die von außerhalb durch Angehörige nach Mühlhausen ins Pflegeheim geholt werden.
Unklar blieb im Laufe der Diskussion auch die Frage nach freier Kapazität für die Verhinderungspflege, also die Vertretung bei Urlaub oder Krankheit für pflegende Angehörige. Der Träger erklärte dazu, dass bei voller Belegung des Pflegeheims eventuell 3 Plätze für Kurzzeitpflege reserviert werden könnten. Dies muss aber mit den Kostenträgern verhandelt werden, da die Anzahl der Kurzzeitpflegeplätze die Kostenstruktur der Vollzeitpflegeplätze beeinflusst.
Rückblickend erinnerte GR Welker an die vielen negativen Rückmeldungen aus der Bürgerschaft nach der Standortentscheidung für das neue Seniorenpflegewohnheim direkt an der Auffahrt zur B39 und wünschte sich bei zukünftigen Projekten mehr Vorlaufzeit des Gemeinderates. Oft wurde aus der Bürgerschaft die Frage gestellt, warum das Seniorenpflegewohnheim nicht auf dem Freigelände beim ehemaligen Bahnhof mit Spaziermöglichkeiten entlang des Waldangelbachs errichtet wurde. Sicherlich eine schöne Idee für den Lebensabend. Wer möchte schon freiwillig an einer Bundesstraße leben? Der Bauträger bekräftigte daraufhin seine Prognose, dass der Standort an der B39 sehr gut angenommen werden wird. Dadurch dass das Seniorenpflegewohnheim rein privat finanziert wird, liegt das Geschäftsrisiko allein beim Bauträger. Und damit sind wir beim Thema Geld.
Mit 90 vollstationären Pflegeplätzen sowie 14 Seniorenwohnungen bietet das Gebäude für den Bauträger rentable Betriebs- und Vermarktungschancen. Der Standort beim alten Bahnhof wäre laut Experten aus betriebswirtschaftlicher Sicht schlichtweg zu klein gewesen.
Für die Gemeinde Mühlhausen ist das Seniorenpflegewohnheim in doppelter Hinsicht ein Gewinn:
Ohne Belastungen für den Gemeindehaushalt wird eine bestehende Versorgungslücke geschlossen, so dass nun ambulante, teilstationäre und stationäre Versorgung angeboten wird. Eine Baulücke an der Auffahrt zur B39 wurde geschlossen.
Unbefriedigend war die Antwort des Pflegedienstleisters auf die Frage der Grünen Gemeinderätin Judith Kreiter, selbst Beschäftigte der Sozialstation, ob Vitalis Mühlhausen Tariflohn bezahlt. Geschäftsführer Herr Hiller erklärte dazu, dass ein Individuallohn vorgesehen sei, der mit zusätzlichen Gratifikationen wie Tank- oder Einkaufsgutscheinen für Zusatzarbeit angereichert werde.
Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Pflegekosten der „Kraichgau Seniorenresidenz Mühlhausen“. Aktuell laufen die Verhandlungen für eine Pflegesatzvereinbarung zwischen dem Träger der Einrichtung und den Kostenträgern. Der Geschäftsführer der Aktiv Wohnbau GmbH, Rainer Rudolf, prognostizierte den monatlichen Eigenanteil eines pflegebedürftigen Menschen auf ca. 2300 Euro an den Pflegekosten. Der Sozialverband VDK warnt, dass durch hohe Heimkosten viele pflegebedürftige Menschen zum Sozialfall werden. Lesen Sie dazu den Aufruf des Sozialverbands VDK Baden-Württemberg e.V. unter
https://tinyurl.com/pflege-macht-arm
Der Sozialverband VDK fordert darin das Land Baden-Württemberg auf, pflegebedürftige Heimbewohner bei den Investitionskosten zu entlasten. Denn die Pflegekosten setzen sich zusammen aus dem Pflegesatz, den Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie den Investitionskosten.

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