Unser Wald im Zeiten des Klimawandels

Am 15. April lud der Grüne Ortsverband Forstrevierleiter Bernd Niederer zu einem Vortrag im Gasthaus Engel in Rettigheim ein. In seinem Vortrag berichtete er über die Lage des regionalen Waldes.
Nach dem heißesten und trockensten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen traten in den regionalen Wäldern erhebliche Schäden auf. Nur fünf Mal habe es zwischen Mai und Oktober im Kraichgau ausreichend geregnet, um die Baumwurzeln der Bäume mit genügend Wasser zu versorgen.
An manchen Stellen seien 2/3 der Fichten im lokalen Wald unwiederbringlich geschädigt worden. Durch die Stressfaktoren Hitze und Trockenheit hatte dann zusätzlich der Borkenkäfer in den Nadelbäumen leichtes Spiel: Statt ein bis zwei Bruten konnten die Förster im letzten Sommer vier Bruten feststellen, was einer Vermehrung um den Faktor 160 je Borkenkäferweibchen entspricht.
Angesichts der durch die Menschen verursachten Klimaerwärmung habe die Fichte im Kraichgau auf Dauer keine Zukunft mehr. Aber selbst die widerstandsfähigeren Buchen haben unter der großen Hitze und Trockenheit massiv gelitten.

Absterbende Buchen im Mühlhäuser Wald

Die Forstwirtschaft werde daher in den nächsten Jahren Fichten- und Buchenbestände nach und nach durch robustere Baumarten wie Eiche, Elsbeere, Edelkastanie, Douglasie und Kiefer ersetzen. Aber das könne nicht von heute auf morgen geschehen.
Niemand habe jedoch damit gerechnet, dass die Wucht und das Ausmaß der Klimaerhitzung so schnell eintreten werden. Die Forstwirtschaft ist auf mittel- bis langfristige Zeiträume ausgerichtet. In der Forstwissenschaft besteht daher noch erheblicher Wissensbedarf, wie man mit den rasanten Klimaveränderungen umzugehen hat.
Sorgen bereiten den Forstexperten deshalb auch, dass die Folgen der Trockenheit und der Hitze im Jahr 2018 sich auf die kommenden Jahre weiter auswirken werden. In den nächsten Jahren wird viel häufiger mit Extremhitzeereignissen zu rechnen sein, und im Jahr 2019 ist bereits das gesamte Frühjahr viel zu trocken und zu warm. Sollte erneut ein „Jahrhundertsommer“ wie im Jahr 2018 eintreten, hätte das noch viel verheerendere Auswirkungen auf den Wald, denn im Frühjahr des letzten Jahres war es noch vergleichsweise feucht und regnerisch. Alles in allem beschrieb Förster Niederer den Zustand des Waldes und die Prognosen für die kommenden Jahre wenig optimistisch.

Aus Sicht der Grünen bleibt zu hoffen, dass die Weltgemeinschaft endlich die notwendigen Schritte gegen die Klimaerhitzung einleitet. Aber nicht nur auf weltpolitischer Ebene muss ein Umdenken erfolgen. Auch und gerade auf kommunaler Ebene ist eine Politik zum Schutz des Klimas wichtiger denn je.

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