Windpark Lußhardt

Die Firma Wircon GmbH plant im Lußhardtwald westlich der Autobahn A5 auf den Gemarkungen von Bad Schönborn, Kronau und Waghäusel die Errichtung von 10 Windenergieanlagen. Diese sind mit einer Nabenhöhe von 168 m, einer maximalen Höhe von 238,5 m und einer Leistung von jeweils 4,5 Megawatt spezifiziert. Für den Bau selbst werden zunächst 10,5 Hektar Wald gerodet, vier Hektar davon sollen vor Ort wieder renaturiert werden. 6,5 Hektar gerodeter Wald müssen während der 20 jährigen Betriebszeit dauerhaft freigehalten werden. Laut Gesetz muss diese Fläche andernorts wieder eins zu eins aufgeforstet werden. Zum Vergleich beträgt der Flächenbedarf für den Bau der Umgehungsstraße Mühlhausen 13,5 Hektar.
Insgesamt könnte der Windpark 74 Millionen Kilowattstunden pro Jahr erzeugen um 21.000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Dies spart laut Investor 50.000 Tonnen CO2 pro Jahr.
Wie die RNZ berichtete, übte St. Leon-Rots Bürgermeister Eger beim Informationsabend in Kronau scharfe Kritik am geplanten Windpark und gab als Vorsitzender des Wassergewinnungszweckverbands Hardtwald (WGZ) der erheblichen Sorge ums Trinkwasser für Malsch, Mühlhausen, Rauenberg und St. Leon-Rot Ausdruck.
Die Bürgerinitiative „Gegenwind Lußhardt“ kritisiert ebenfalls eine Gefährdung der Trinkwasserversorgung durch auslaufende Kühlmittel und Getriebeöle, eine Beeinträchtigung der Anwohner durch Infraschall und Gefahren für die Tierwelt, insbesondere für Vögel.
Beim Grünen Stammtisch wurden die Argumente pro und contra Windpark Lußhardt diskutiert. Der Ortsverband Mühlhausen von BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN sieht es als notwendig an, auch Windstrom in unserer Region zu erzeugen. Die Windenergie ist das Arbeitspferd der Energiewende. Der notwendige Ausbau der Stromtrassen, um Windstrom von Nord nach Süd transportieren zu können, stockt, da niemand Stromtrassen vor seiner Haustür haben möchte.
Mit den modernen Windkraftanlagen von heute ist aufgrund ihrer Bauhöhe die Möglichkeit geben, auch im Binnenland wirtschaftlich Strom zu erzeugen. In großen Höhen weht der Wind, auch wenn auf dem Boden Windstille ist.
Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Auch unter Mühlhausens GRÜNEN gibt es Meinungen, die Windkraftanlagen schön oder häßlich finden. Es herrscht jedoch Konsens, dass dringend mehr Produktion regenerativer Energien benötigt wird. Sollten wir in 20 Jahren in der Lage sein, günstiger erzeugten Windstrom aus dem Norden in ausreichender Menge zu uns transportieren zu können, kann der Windpark Lußhardt rückstandsfrei zurückgebaut werden und der Wald wieder aufgeforstet werden, anders als die strahlenden Hinterlassenschaften der Kernenergie wie z.B. in Philippsburg.

Die kritischen Fragen zur Sicherheit unserer Trinkwasserversorgung sind berechtigt, denn sauberes Wasser ist unser wichtigstes Nahrungsmittel. So wie jeder Hausbesitzer seinen Öltank durch eine zusätzliche Wanne gegen eine Leckage absichern muss, so sind auch Windkraftanlagen durch einen

doppelten Boden gegen Leckagen geschützt. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es allerdings
nicht, denn eine Windkraftanlage kann im Brandfall nicht gelöscht werden und muss kontrolliert abbrennen. Auf derartige Havarien sind unsere Feuerwehren vorbereitet, denn sie müssen z.B. Unfälle von Gefahrguttransporten auf der A5, die mitten durch den Lußhardtwald verläuft, beherrschen können.
Genaue Zahlen zu Havarien an Windkraftanlagen gibt es nicht. Der TÜV-Verband zählt nach eigenen Recherchen bis zu 50 gravierende Schäden an Windkraftanlagen pro Jahr. Bei fast 30.000 installierten Anlagen an Land ist die Wahrscheinlichkeit für einen Brand sehr klein.
Bei den Sorgen ums Trinkwasser sollte man außerdem einen Blick darauf werfen, wie fossile Brennstoffe gefördert werden. Bei der Öl- und Gasförderung wird mit Chemikalien verseuchtes Wasser in den Boden gepresst. Wer glaubt, das geschieht nur weit weg von uns, sollte mal mit Menschen in der Region Speyer bis Landau sprechen.
Zum Thema Infraschall sei an dieser Stelle auf einen Artikel im Ärzteblatt verwiesen (https://www.aerzteblatt.de/archiv/205246/Windenergieanlagen-und-Infraschall-Der-Schall-den-man-nicht-hoert). Kurz zusammengefasst: Windparks erzeugen Infraschall – Meeresrauschen auch.
Viele technische Anlagen wie Industrieanlagen, Motoren, Klimaanlagen, Lautsprecher, u.a. erzeugen Infraschall. Allerdings besteht hier noch Forschungsbedarf.
In der Öffentlichkeit und den Medien wird heftig über die Gefahren für Vögel und Fledermäuse durch Windkraftanlagen diskutiert. Der BUND bemerkt dazu: Jeder getötete Vogel ist einer zu viel.
Dennoch ist es erstaunlich, dass die über 18 Millionen Vögel, die jährlich in Deutschland an Glasscheiben sterben, kein öffentliches Thema sind. Auch zu den wesentlich massiveren Schäden durch Vogelschlag im Straßenverkehr und entlang von Bahn- und Hochspannungstrassen, zur Bedrohung der Vogelwelt durch Agrargifte und Naturzerstörung gibt es wenig Protest.

Verwandte Artikel