Zum Umgang mit COVID19 bedingten Schul- und Kitaschließungen

Der Beschluss der Bundeskanzlerin und Ministerpräsident/innen für eine vorsichtige Öffnung des gesellschaftlichen Lebens soll Risikogruppen weiter besonders schützen ohne aber „zu einer vollständigen sozialen Isolation der Betroffenen führen”. Diese Abwägung ist wichtig, trifft aber auch auf eine andere Gruppe genauso zu: die Kinder & Jugendlichen.
Während es für die Abschluss- und Übergangs-Jahrgänge zumindest ein Plan-Datum für den Wiederbeginn des Schulbetriebs gibt, gilt für alle anderen nur das Prinzip Hoffnung. Für diese finden sich, neben der teilweise sehr knapp bemessenen Notbetreuung, bisher nur warme, bemitleidende Worte.

Dabei ist gerade bei Kindern und Jugendlichen der soziale Druck besonders groß. Und er verschärft sich je nach sozialer Lage, Wohnungsgröße, Geschwisteranzahl, möglichen Handicaps, technischer Ausstattung, der wirtschaftlichen Existenzangst der Eltern, etc.

Kinder und Jugendliche fehlt der Kontakt zu Freund*innen, ihren Vereinsaktivitäten und die Struktur welche Schulen und Kitas stellen. Kinder und Jugendliche, die ohnehin schon Gewalt in den Familien erfahren, leiden jetzt noch stärker – nun ist buchstäblich niemand mehr da, dem Blessuren und Verletzungen überhaupt auffallen können.

Deshalb ist es an der Zeit, auch Kindern und Jugendlichen wieder Raum für das soziale Leben und Lernen zu bieten. Es ist richtig, dass die Regierungschefs beschlossen haben, dass wir besonders gefährdeten Gruppen nicht isolieren. Derselbe Grundsatz muss aber eben auch für Kinder und Jugendliche gelten. 

Nur zu sagen, Kitas und die Schule bleiben geschlossen, ist keine Antwort, sondern beschreibt vor allem eine Aufgabe. Es braucht kreative und neue Lösungen, um innerhalb der Vorgaben der Bundes- und Landespolitik die Isolation zu mindern.
Je länger der gewohnte Schulunterricht und Kindergartenbesuch ausgesetzt sind, desto wichtiger ist es, andere Formen der Begegnung und Anregung zu organisieren. 

Einige unserer Ideen für die Kleinsten:

  • Aufbau eines Angebots in Kleinstgruppen, das über die derzeitige Notbetreuung hinausgeht. Bezugsperson und Kinder könnten z. B. in festen Gruppen zusammenkommen, um die Infektionsgefahr einzudämmen. Ein solches Angebot sollte sich zuerst auf Kinder von Alleinerziehenden, Kinder mit besonderem Förderbedarf oder aus schwierigen sozialen Situationen fokussieren. Ferne brauchen Familien, deren Eltern beide erwerbstätig sind, Unterstützung.
  • Bildung von Betreuungsgemeinschaften zwischen zwei oder drei Familien, nach Lockerung der Kontaktsperre, fördern. Auch diese bieten die Möglichkeit, die Maßgaben des Infektionsschutzes einzuhalten und dennoch die soziale Isolation von Kindern aufzubrechen und Eltern zu entlasten. Wichtig in diesem Modell ist, dass die Beteiligten nur innerhalb der Betreuungsgemeinschaft Kontakt haben.
  • Wiederöffnung der Spielplätze mit Beschränkung der Personenzahl, (Eltern-)Aufsicht und Einhaltung von Abstandsreglungen. Kinder brauchen Raum zum Toben und Spielen im Freien. 

Ideen für Schüler*innen und Lehrkräfte:

  • Gerade bei jüngeren Schüler*innen spielt die Beziehung zur Lehrkraft eine besondere Rolle. Regelmäßig sollen die Schüler*innen und die Lehrkräfte daher aktiv miteinander kommunizieren – telefonisch, digital, und überall dort wo es möglich ist, im realen Raum. Bei entsprechender Planung, Nutzung vorhandener Räume oder auch an der frischen Luft sollte dies möglich sein.
  • Der alternierender Unterricht in Kleingruppen ist eine weitere Möglichkeit, die Übergangszeit unter Wahrung der Vorschriften zu nutzen. Fächer könnten in Präsenzphasen und „homeschooling“ aufgeteilt werden.
  • Die Sommerferien mit Angeboten an den Kitas und Schulen zu füllen und so gegen die sozialen und pädagogischen Verluste der Corona-Krise anzuarbeiten. Dies soll kein verkappte Ferien-Unterricht sein, sondern ein anregendes Freizeitprogramm in festen Kleingruppen, in welches Kulturschaffende, Dozent*innen, Trainer*innen und Studierende miteinbezogen werden könnten.

Für alle Vorschläge muss natürlich das Infektionsgeschehen im Blick und die allgemeinen Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Das gilt speziell für Kinder und Erzieher*innen und Lehrer*innen, die selbst zu einer Risikogruppe gehören, sowie betroffene Angehörige im Haushalt.

Die aktuelle Situation zeigt auch, dass Schulen und Schüler mehr fachliche, technische und finanzielle Unterstützung im Bereich der Digitalisierung benötigen.

Mehr dazu unter: https://www.gruene.de/artikel/impulspapier-zum-umgang-mit-corona-bedingten-schul-und-kitaschliessungen

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